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Gemeinsame Stellungnahme zum geplanten Holz-HKW in Osnabrück

October 22, 2026

Gemeinsame Stellungnahme von Biofuelwatch, ROBIN WOOD und NABU zum  Bebauungsplan Nr. 683 – Biomassekraftwerk Gerh.-Schoeller-Str. Osnabrück

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Brief erreicht Sie heute bezüglich des geplanten Holzheizkraftwerks der Firma Felix Schoeller in Osnabrück, bei dem nach aktuellen Planungen jährlich 60.000 Tonnen Altholz verbrannt werden sollen.

Luftreinhaltung nicht ausreichend geprüft

Problematisch sehen wir in den vorliegenden Antragsunterlagen einerseits, dass die Luftreinhaltung ausschließlich in der Begründung zum Entwurf vom 9. Juli 2026 erwähnt wird. Dort steht: “Die Belange der Luftreinhaltung werden dann in diesem Genehmigungsverfahren [nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz] eingebracht und abgearbeitet.” Das erfüllt unserer Kenntnis nach allerdings nicht die Anforderungen des Baugesetzbuches. Laut § 1 zur Aufgabe, Begriff und Grundsätze der Bauleitplanung müssen Belange des Umweltschutzes, einschließlich “die Erhaltung der bestmöglichen Luftqualität in Gebieten, in denen die durch Rechtsverordnung zur Erfüllung von Rechtsakten der Europäischen Union festgelegten Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden” berücksichtigt werden. Zudem müssen “die Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen, Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und das Wirkungsgefüge zwischen ihnen sowie die Landschaft und die biologische Vielfalt” sowie “umweltbezogene Auswirkungen auf den Menschen und seine Gesundheit sowie die Bevölkerung insgesamt” betrachtet werden. Demnach ist es nicht zulässig, Luftschadstoffimmissionen bei der Bauleitplanung zu ignorieren, nur weil diese anschließend auch für ein BImSchV- Genehmigungsverfahren relevant sind.

Beim Verbrennen von Holz fällt grundsätzlich wesentlich mehr Feinstaub (PM2,5) an als beim Verbrennen von fossilem Gas, Öl oder Kohle. Das geplante Holz-HKW soll fossiles Gas ersetzen, was zudem mehr NO2 und andere Luftschadstoffe bedeutet. Beim Verbrennen von chemisch belastetem Altholz werden zudem mehr Schwermetalle, Dioxine und Furane sowie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) emittiert. Eine Luftschadstoff-Immissionsprognose ist wichtig, um die Auswirkungen sowohl auf die menschliche Gesundheit als auch auf Pflanzen und Biotope zu beurteilen.

In der Begründung zum Entwurf des Antrags wird erwähnt, dass der Standort für das geplante Altholz-HKW außerhalb der Umweltzone in Osnabrück liegt. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Immissionsgrenzwerte eingehalten werden. Die nächste Messstation für Luftschadstoffe befindet sich ca. 5 km entfernt an der Straße Neuer Graben. Dort wird allerdings nur Stickstoffdioxid gemessen. Die zwei Messstationen für Feinstaub, am Schloßwall und in der Bomblastraße, sind noch weiter entfernt. Am Schloßwall lag der Jahreswert für Feinstaub (PM2,5) 2025 bei 10 μg/m³. Das wird ab Anfang 2030 der Immissionsgrenzwert in der EU sein, was bedeutet, dass die Konzentration von Feinstaub nicht weiter steigen darf. Allerdings gibt es keine öffentlichen Informationen zur Luftbelastung in Lüstringen, obwohl die Papierfabrik von Felix Schoeller eine wichtige Emissionsquelle darstellt.

Zudem werden die Immissionen, die Auswirkungen auf Biotope und die Artenvielfalt haben, ignoriert. Zu den naheliegenden Biotopen, die von Luftschadstoffen, wie etwa Stickstoff oder Ammoniak betroffen sein könnten, gehören sowohl Waldgebiete als auch Stillgewässer. Nur die Auswirkungen auf die Artenvielfalt auf dem Gelände selbst werden in Betracht gezogen. Auch das widerspricht dem Baugesetzbuch.

Klima- und Umweltbelastungen von Holzverbrennung

Des Weiteren sind die Klima- und Umweltbelastungen von Biomassekraftwerken bei der Klimabilanz der kommunalen Wärmeplanung nicht zu vernachlässigen. In erster Linie ist der hohe CO2-Ausstoß der Holzverbrennung zu nennen sowie der damit zusammenhängende Beitrag zur Klimakrise. Beim Verbrennen von Holz wird mindestens so viel CO2 wie beim Verbrennen von Kohle freigesetzt, in den meisten Fällen sogar mehr.

Das bereits im Holz gebundene CO2 sollte nach dem Kaskadenprinzip so lange wie möglich gebunden bleiben und wenn möglich durch Holzprodukte oder Bauholz gespeichert werden. Wenn stofflich nutzbares Altholz verbrannt wird, nutzen Spanplattenfirmen mehr Holz direkt aus dem Wald. Die Auswirkungen solcher Altholzverbrennung auf Wald und Klima unterscheiden sich deshalb kaum von den Auswirkungen der direkten Verbrennung von Waldholz. Das bedeutet, dass nicht nur CO2 freigesetzt, sondern auch gleichzeitig die Kohlenstoff-Speicherfunktion des Waldes eingeschränkt wird.

Betrachtet man den Holzeinschlag im Kontext des Waldzustands, wird deutlich, dass dieser seit Jahren nicht als nachhaltig bezeichnet werden kann. Laut der vierten Bundeswaldinventur, 2025, ist der Wald in Deutschland 2017 zu einer CO2-Quelle geworden. Seitdem hat das Thünen-Institut eine Studie mit der Schlussfolgerung veröffentlicht, dass nach dem massiven Baumsterben der letzten Jahren der Waldboden temporär den Verlust der CO2-Senke in Bäumen kompensiert, doch darauf langfristig kein Verlass sei. Gleichzeitig liegt der Holzeinschlag seit 2018 wesentlich höher als es im vorhergehenden Jahrzehnt der Fall war. Die intensive Holznutzung ist mit einer langfristigen CO2-Senke im Wald nicht zu vereinbaren.

Laut von der Bundesregierung veröffentlichten Daten wurden 2025 7,73 Millionen Tonnen Altholz energetisch genutzt. Das entspricht 90,7 % der gesamten Menge an Altholz, die in Deutschland anfielen. Dabei gehören ca. 81 % des gesamten Altholzes zu den Kategorien A1 und A2. Altholz dieser Kategorien lässt sich problemlos zu Spanplatten oder Holzfaserdämmplatten für die energetische Sanierung von Häusern verarbeiten.

In Osnabrück kommt erschwerend hinzu, dass im nicht weit entfernten Hannover- Stöcken (ca. 140 km) bereits ein Altholz-Kraftwerk betrieben wird und die Kraftstoff- Beschaffungsradien der beiden Kraftwerke (jeweils 200 km) sich daher überschneiden. Das Altholz, das in Hannover und Umgebung anfällt, hat also bereits einen Abnehmer – hier würde eine Altholzkonkurrenz entstehen und daher bei Engpässen wieder auf Frischholz auf dem Wald zurückgegriffen werden.

Wenn – was sehr gut möglich ist – die Betreiber des geplanten Holzheizkraftwerks nicht ausreichend Altholz kaufen können, müssen sie ebenfalls auf Frischholz zurückgreifen.

Wegen der unweigerlich direkten oder indirekten Auswirkungen auf den Holzeinschlag durch das geplante HKW sollte auch das Thema Artenvielfalt und Biodiversität berücksichtigt werden: Biodiversität ist eine überlebenswichtige Grundlage für das gesamte Leben auf der Erde, weil sie die Stabilität von Ökosystemen sichert. Um das Ökosystem Wald aufrechterhalten zu können, wird Totholz im Wald benötigt, um frischen Humus zu produzieren und den Lebensraum für Kleinstlebewesen zu bewahren. Auch der Verrottungsprozess setzt CO2 in einem viel geringeren und natürlichen Tempo frei als die Verbrennung. In jedem Verrottungszustand profitieren andere Tier- und Pflanzenarten vom Holz. Die Zerstörung von Wäldern gefährdet daher massiv den jetzt schon bedrohten Lebensraum vieler Tierarten.

Mit freundlichen Grüßen

Almuth Ernsting (Co-Direktorin) und Luzie Arndt, Biofuelwatch
Jana Ballenthien, Waldreferentin, ROBIN WOOD
Eric Häublein, Referent Bioenergie, NABU


Biofuelwatch
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