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Rüdersdorf: Kein Zement auf Kosten der Wälder!

September 17, 2026

Umweltorganisationen und Bürgerinitiative reichen Stellungnahmen ein gegen geplanten Bau eines Holzpellet-Werks auf dem Cemex-Gelände 

In Rüdersdorf bei Berlin könnte künftig Altholz in großen Mengen für die Zementproduktion verfeuert werden. Das schadet Klima und Gesundheit und stößt deswegen auf Kritik bei Umweltorganisationen. ROBIN WOOD, NABU und Biofuelwatch sowie die Bürgerinitiative „Gesund Leben am Stienitzsee” wenden sich daher in zwei Stellungnahmen gegen den Genehmigungsantrag für den Bau des Pelletwerks in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland).

Den Antrag gestellt haben der Zementhersteller Cemex und das Entsorgungsunternehmen Alba über das gemeinsame Unternehmen ALCE Biokohle. Sie wollen auf dem Cemex-Gelände  jährlich knapp 130.000 Tonnen Altholz torrefizieren, d.h. zu  „angekohlten”, schwarzen Holzpellets verarbeiten. Die Pellets sollen sowohl im Rüdersdorfer Zementwerk verbrannt als auch verkauft werden. 

In der geplanten Pelletanlage soll ausschließlich Altholz der Kategorien A1 und A2 eingesetzt werden. Dieses Holz aus beispielsweise alten Paletten könnte jedoch noch sehr gut zur Produktion von Spanplatten oder Laminat genutzt werden. Laut der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) haben die Antragsteller keine Alternativen zur Verbrennung von Holz geprüft – weder Optionen zur Elektrifizierung noch zur Erhöhung des Anteils an Klärschlamm, der bereits jetzt von Cemex verbrannt wird.  

 „Die Zementindustrie ist einer der größten Klimakiller. Eine Umstellung in der Produktion ist daher unumgänglich. Doch das Verfeuern von Holz ist keine umweltverträgliche Option. Denn aufgrund der Rohstoffknappheit beim Altholz muss die Holzwerkstoff-Industrie Frischholz nutzen. Das belastet die ohnehin bereits schwer geschädigten Wälder. Nur noch jeder fünfte Baum hierzulande ist gesund. Zwei Millionen Hektar Wald sind stark geschädigt, 900.000 Hektar davon sind seit Sommer 2018 komplett abgestorben”, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD.

 „Gerade in der Region Berlin-Brandenburg werden extrem große Mengen an Altholz – das meiste davon stofflich nutzbar – verbrannt und die Nachfrage soll noch weiter steigen. Der NABU lehnt zwar die Nutzung von Biomasse in der Zementindustrie nicht prinzipiell ab, aber dabei darf es sich nicht um stofflich nutzbares Holz handeln, wie es hier geplant ist. Solches Holz wird für die Transformation der Chemieindustrie benötigt und kann zudem besser für die Produktion von Spanplatten oder für Holzfaserdämmplatten und zur Sanierung von Gebäuden genutzt werden und damit langfristig Kohlenstoff binden”, ergänzt Eric Häublein, Referent für Bioenergie vom NABU.

Bislang wurde aufgrund technischer Herausforderungen weltweit noch keine Torrefizierungs-Anlage, so wie sie in Rüdersdorf geplant ist, erfolgreich in Betrieb genommen. Im Juni dieses Jahres wurde eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, deren Autoren vor einer erhöhten Gefahr von Staubexplosionen und von Selbstentzündung der schwarzen Pellets – verglichen mit konventionellen Holzpellets – warnen. Dabei besteht schon bei Anlagen, die herkömmliche Pellets oder Holzhackschnitzel verbrennen, ein beträchtliches Gefahrenpotential.

Almuth Ernsting, Ko-Direktorin von Biofuelwatch, erklärt:  „Bei einer Online-Recherche nach Artikeln über Brände an Holz(heiz)kraftwerken im deutschsprachigen Raum fanden wir Berichte über 15 solcher Unfälle allein seit Anfang 2025 – vermutlich gab es noch mehr. Dass das Unfallrisiko bei torrefizierten Pellets noch wesentlich höher ist, bedeutet eine Gefahr für Angestellte auf dem Gelände und möglicherweise auch für Anwohner*innen. Besonders beunruhigend ist, dass die Antragsteller im UVP-Bericht behaupten, es gäbe kein Risiko eines schweren Unfalls. Das zeigt, dass sie die Gefahren nicht ernst genug nehmen.”

Zudem würde die geplante Torrefizierung-Anlage zu einer höheren Schadstoffbelastung der Luft und zu einer Geruchs- und Lärmbelastung führen.  „Die Genehmigungsunterlagen lassen zentrale Fragen offen. Für die breite Palette zulässiger Althölzer fehlt aus unserer Sicht ein nachvollziehbarer quantitativer Nachweis, dass die angesetzten Emissionswerte auch unter ungünstigsten Betriebsbedingungen sicher eingehalten werden. Auch die Geruchsprognose weist erhebliche Nachweislücken auf: Sie stützt sich im Wesentlichen auf einen pauschalen Literatur-Wert für nur eine Geruchsquelle, während weitere mögliche Geruchsquellen und Betriebszustände nicht ausreichend nachvollziehbar bewertet werden“, sagen Martin Müller und Dirk May von der Bürgerinitiative Gesund Leben am Stienitzsee.

Weitere Informationen:

Kontakte:

  • Jana Ballenthien, Waldreferentin ROBIN WOOD, wald@robinwood.de, Tel.: 040 38089211
  • Eric Häublein, Referent für Bioenergie, NABU, Eric.Haeublein@Nabu.de, Tel.: 0162 269 47 81
  • Almuth Ernsting, Biofuelwatch, almuthbernstinguk@yahoo.co.uk, Tel.: 0044 7930 227525

Biofuelwatch
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