Vattenfalls Pläne für neue Biomasseanlagen in Berlin bedrohen Wälder und Klimaziele

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Wieviel Holz verbrennt Vattenfall derzeit in Berlin, und welche Rolle soll Holz bis 2030 spielen?

Laut eigenen Angaben verbrannte Vattenfall 2020 58.000 t Holz im Heizkraftwerk Märkisches Viertel und 30.000 t im Kohlekraftwerk Moabit, also insgesamt 88.000 t. Diese Menge will das Unternehmen bis 2030 auf 450.000 t pro Jahr steigern, also fast um das Sechsfache!

Vattenfall plant, ab 2024 die Menge an Holz, die das Unternehmen jährlich verbrenn zu steigern. Bis 2O26 ist eine neue Biomasseanlage im Kraftwerk Moabit geplant, und 2027 soll eine neue Biomasseanlage im Heizkraftwerk Klingenberg in Betrieb genommen werden.

Woher kommt Vattenfalls Holz derzeit und woher soll es in Zukunft kommen?

Gegenwärtig bezieht Vattenfall zwei Drittel des Holzes direkt aus Wäldern in Deutschland, 22% ist „Landschaftspflegematerial“ und 12% stammt aus Kurzumtriebsplantagen in Deutschland und Polen.

Es ist äußerst zweifelhaft, ob Vattenfall Lieferungen von Holz aus Kurzumtriebsplantagen in den nächsten Jahren steigern kann und wahrscheinlicher, dass sie vor allem wesentlich größere Mengen an Waldholz nutzen werden. Importe von Waldholz sind bei der geplanten Biomasseexpansion nicht ausgeschlossen. Wie aus der Vereinbarung über Kriterien zur Nachhaltigkeit der Beschaffung von holzartiger Biomasse von Vattenfall und dem Land Berlin hervorgeht, plant Vattenfall auch weiterhin Stammholz aus ausgewachsenen Bäumen energetisch zu nutzen.

Was bedeuten Vattenfalls Biomassepläne für Berlins Klimaziele?

Ein Kohleausstieg in Berlin und anderswo ist lange überfällig. Er muss Teil einer Energiewende sein, die die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich reduziert. Die Erderwärmung ist längst zu weit fortgeschritten, als dass wir uns eine „Übergangsphase“ mit anderen CO2-intensiven Energieformen leisten könnten. Dazu gehört Erdgas, aber auch Holzbiomasse, vor allem wenn sie aus Wäldern und Baumplantagen stammt.

Bereits 2018 warnten 800 Wissenschaftler*innen die EU in einem offenen Brief: “Die Verwendung von Holz, das gezielt für die Verbrennung geerntet wird, würde den Kohlenstoff in der Atmosphäre und die Erwärmung der Erde für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte erhöhen…Insgesamt verwandeln die Holzernte und das Verbrennen von Holz unter dieser [Erneuerbare Energie-]Direktive bedeutende Reduzierungen der Kohlenstoffemissionen, die andernfalls durch Solar- und Windenergie erreicht würden, in einen großen Anstieg des CO2 in der Atmosphäre bis 2050.“ Ähnliche Warnungen wurden auch von EASAC, dem Verbund der Nationalen Wissenschaftsakademien der EU-Mitgliedsstaaten, ausgesprochen.

Aufgrund eines Beschlusses der vor Jahren bei einem UNFCCC-Klimagipfel getroffen wurde, werden Kohlenstoffemissionen aus Bioenergie nicht dem Energiesektor zugerechnet. Stattdessen soll ein Verlust von Kohlenstoff in Wäldern dem Sektor „Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft“ angerechnet werden. Die Idee war zu verhindern, dass Emissionen durch Holzenergie doppelt gezählt werden. In Realität werden sie nun oft nirgendwo berechnet. Unternehmen wie Vattenfall und auch das Land Berlin können offiziell CO2-Einsparungen verbuchen, obwohl das Verbrennen von Holz nicht weniger CO2 freisetzt als das Verbrennen von Kohle, auch wenn neue Bäume diesen Kohlestoff zumindest jahrzehntelang nicht sequestrieren werden.

So hilft Holzenergie zwar dem Land Berlin, seine offiziellen Klimaziele zu erreichen, allerdings nur auf dem Papier. Dem Klima selbst, ist nicht geholfen.

Nachhaltige Biomasse?

Schon 2011 hatten Vattenfall und das Land Berlin eine Vereinbarung über „nachhaltige Biomasse“ unterzeichnet, laut derer alles Waldholz aus „nachhaltiger Forstwirtschaft“ stammen soll. Diese wurde 2021 um zehn Jahre verlängert. Doch für das Klima macht die Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft zumindest über die nächsten Jahrzehnte hin keinen Unterschied, wenn es darum geht, dass Bäume energetisch genutzt werden. Das wird auch in dem oben erwähnten Brief von 800 Wissenschaftler*innen betont. Ebenso wenig ist es für das Klima relevant, ob Bioenergie mit stofflicher Nutzung von Holz aus Wäldern oder Plantagen konkurriert.

Zudem gibt es allen Grund zu bezweifeln, dass Vattenfall garantieren kann, auch nur die Biodiversitäts- und Sozialkriterien zu erfüllen: Im ersten Jahr nach Unterzeichnung der Biomasse-Vereinbarung verheizte die Firma in Moabit Holz aus liberianischen Kautschukplantagen. Vattenfall beendete diesen Liefervertrag 2012 aus wirtschaftlichen Gründen, doch das Projekt war mit schweren Menschenrechtsverletzungen verbunden, an deren Folgen laut eines Reports der NGO Swedwatch viele Menschen noch nach Jahren leiden. Dennoch verlässt sich die Umweltbehörde des Berliner Senats noch heute darauf, dass Vattenfalls Kriterien robust sind.

Geht es auch ohne Holzbiomasse?

Für Vattenfall rentiert es sich, neue Biomassekessel in ihre bestehende Energie-infrastruktur zu integrieren, statt in klimafreundliche Alternativen zu investieren. Doch, wie eine Studie des Fraunhofer Instituts zeigt, gibt es ausreichend Potential, die Wärmeversorgung Berlins zu garantieren, ohne kohlenstoffreiche Brennstoffe, zu denen auch Holz zählt, zu verbrennen. Der Berliner Senat muss die bisherige Position zur Biomasse, die eine große Expansion des Holzverbrennens vorsieht revidieren und sicherstellen, dass die Wärmeversorgung tatsächlich dekarbonisiert wird und dass keine neuen Biomassekessel genehmigt werden.